Aus dem Leben der Uhrengrübler

Industrielle Geschichte muss nicht immer nur in Vitrinen stattfinden. Im November 2018 zeigte das Industriemuseum Waldenburgertal, wie lebendig ein Museum werden kann, wenn sich Objekte, Erinnerungen und Menschen miteinander verbinden.

Unter dem Titel «Aus dem Leben der Uhrengrübler» wurde die Industriegeschichte des Tals einmal anders erzählt: mit Trouvaillen aus dem Museum – und mit theatralischen Szenen, die Figuren und Stimmungen aus einer vergangenen Zeit wieder aufleben liessen.

Im Zentrum stand dabei der Oberdörfer Walter F. Meyer, im Tal vielen als «WM» bekannt. Für die Generationen zwischen den 1950er-Jahren und der Jahrtausendwende war er eine prägende Figur: Journalist, Autor und Fotograf – und jemand, der nicht nur beobachtete, sondern das Alltagsleben mit feinem Gespür festhielt. In seinem Büchlein «Leben zwischen Tick und Tack» (1994) beschrieb er als Uhrmachersohn die Freuden und Leiden eines «Uhrengrüblers» und dessen Umfeld – kleine «Müschterli», die zugleich Zeitzeugnis und liebevoller Blick zurück sind. Dass diese Texte nicht nur dokumentieren, sondern auch schmunzeln lassen, war ein wichtiger Teil ihres Charmes.

Für das Wochenende vom 23. bis 25. November 2018 wählte das Industriemuseum Waldenburgertal Auszüge aus diesen Erzählungen aus und brachte sie in einer neuen Form zum Publikum: Als kleine Theater-Erzählungen und Sketches, gespielt von einem Bühnenensemble aus der Region. So standen einmal nicht Uhren und Maschinen im Zentrum, sondern die Menschen, die in der Uhrenindustrie und in den Werkstätten ihren Alltag meisterten – mit Arbeit, Stolz, Eigenheiten, Sorgen und einer guten Portion Humor.

Ein Höhepunkt war die Szene rund um einen familiären Ausflug des Uhrengrüblers in ein «wildromantisches» Tessiner Tal, das früher – so erzählt es Meyer – eigentlich den Uhrmachern «aufwärts» vorbehalten gewesen sei. Gerade solche Episoden machten deutlich, wie nahe Industriegeschichte und Lebensgeschichte oft beieinanderliegen: Das grosse wirtschaftliche Geschehen spiegelt sich im Kleinen, im Familienalltag, in Reisen, in Träumen – und manchmal auch in komischen Situationen, die man nicht vergisst.

Das Ensemble bestand aus Fritz Sutter, seiner Frau Brigitte, Ruedi Renz (Regie) sowie Roland Kurz, Hobby-Schauspieler aus Bretzwil. Ergänzt wurden die Szenen durch historische Einordnungen: Historiker Remy Suter erzählte – spannend und mit Humor gespickt – Hintergruende zu einzelnen Museumsstücken und verband damit Objekt, Zeit und Kontext. Wer wollte, konnte ausserdem das Museum selbst entdecken: Die Museumsfenster erzählten (neu gestaltet) von der grossen Industriegeschichte des Waldenburgertals und machten den Besuch auch visuell zu einer Reise durch die Zeit.

Aufführungen (Pavillon Niederdorf):

  • Freitag, 23. November 2018, 20.00 Uhr
  • Samstag, 24. November 2018, 14.00 und 20.00 Uhr
  • Sonntag, 25. November 2018, 11.00 Uhr