Die Geschichte von Revue Thommen beginnt in einer schwierigen Zeit. Der Bau des Hauenstein-Tunnels hatte dem Waldenburgertal wirtschaftlich zugesetzt, der Warentransit brach ein, Arbeitslosigkeit und Abwanderung drohten.
Um dem entgegenzuwirken, gründete die Gemeinde Waldenburg 1853 eine Uhrenfabrik. Das Unternehmen geriet jedoch bald in finanzielle Schwierigkeiten. 1859 übernahmen Gedeon Thommen und Louis Tschopp den Betrieb und führten ihn auf neuer Grundlage weiter.
Schon 1860 entstand im «Münsterli» eines der ersten Fabrikgebäude Waldenburgs. Aus einer bedrängten Unternehmung wurde Schritt für Schritt ein Betrieb mit Zukunft. Nach dem Ausscheiden von Louis Tschopp führte Gedeon Thommen die Firma weiter, baute sie aus und legte damit einen Grundstein für die industrielle Entwicklung des Tals.
Vom Uhrwerk zur Marke Revue
Zunächst fertigte das Unternehmen Rohwerke, Taschenuhren und Uhrgehäuse. Mit der Zeit wurde versucht, mehr Fertigungsschritte im eigenen Haus zu bündeln und so unabhängiger zu werden. Nach dem Tod Gedeon Thommens im Jahr 1890 übernahm sein Sohn Alphons Thommen die Leitung. 1899 wurden die Fabriken elektrifiziert, und 1908 kamen die in Waldenburg hergestellten Uhren unter dem Markennamen «Revue» auf den Markt.
Damit war aus einem regionalen Produktionsbetrieb ein Unternehmen mit klarerem Profil geworden. Die Uhr blieb das Herzstück, doch der Blick ging schon früh über das reine Uhrwerk hinaus.
Der Schritt in die Luftfahrt
Eine entscheidende Wendung brachte Reinhard Straumann, der 1916 als Techniker in die Firma eintrat. Mit der Entwicklung einer Borduhr für die schweizerische Flugwaffe öffnete er Revue Thommen den Weg in ein neues Tätigkeitsfeld. In den dreissiger Jahren entstand daraus ein eigener Bereich für Präzisionsinstrumente der Luftfahrt.
Damit öffnete sich für Revue Thommen ein Feld, das höchste Zuverlässigkeit verlangte. Uhren, Höhenmesser und Geschwindigkeitsmesser aus Waldenburg fanden später Eingang in zivile und militärische Flugzeuge. So wurde aus einer Uhrenfabrik ein Unternehmen, das auch in der Aviatik einen Namen gewann.
Präzision in neuer Breite
Revue Thommen verstand es, seine Kenntnisse laufend zu erweitern. Neben Uhren für den Alltag und Instrumenten für die Luftfahrt entstanden auch Produkte für Sport und Freizeit, für industrielle Messtechnik und für den Maschinenbau. Ein bekanntes Beispiel ist der 1945 entwickelte Taschen-Höhenmesser, der vor allem bei Alpinisten geschätzt wurde.
Gerade darin zeigt sich die besondere Stärke der Firma. Die feinmechanische Tradition blieb erhalten, doch aus ihr wuchs ein breiteres technisches Können. Revue Thommen war nie nur Uhrenhersteller. Das Unternehmen entwickelte sich zu einer Firma, die Präzision in verschiedenen Bereichen nutzbar machte.
Wandel und Beharrlichkeit
1961 schloss sich Revue Thommen mit anderen Uhrenfirmen zur MSR zusammen. Später wurden die Tätigkeiten neu geordnet: Die Uhrenproduktion konzentrierte sich zunehmend in La Chaux-de-Fonds, während Messinstrumente und Maschinenbau in Waldenburg blieben.
Das war Ausdruck eines grösseren Wandels in der Schweizer Industrie. Wer bestehen wollte, musste sich neu aufstellen. Revue Thommen tat dies, ohne den eigenen Kern zu verlieren. Die Firma blieb von jener Präzision geprägt, die schon in den frühen Uhrwerken nötig gewesen war.
Eine prägende Firma des Waldenburgertals
Revue Thommen gehört zu den Unternehmen, die das industrielle Gesicht des Waldenburgertals besonders stark geprägt haben. Aus der Uhrenfabrikation heraus entstanden neue Felder: Luftfahrtinstrumente, Messtechnik, Maschinenbau und spezialisierte Präzisionsprodukte. Die Geschichte der Firma zeigt, wie aus einer regionalen Notlage ein Unternehmen mit weiter Ausstrahlung wachsen konnte.
Wer auf Revue Thommen blickt, sieht ein Stück Waldenburger Industriegeschichte in verdichteter Form: den Aufbauwillen des 19. Jahrhunderts, die Verbindung von Handwerk und Technik, die Offenheit für neue Märkte und die Fähigkeit, sich immer wieder weiterzuentwickeln.
